Interview | Das Projekt Hochbeet-Bau

apinchofstyle.com | Gartenprofi Carolin Engwert zum Thema Hochbeet-BauEin paar Tomaten, Chilli und diverse Kräuter. Mehr ist auf meiner Garten-Biografie nicht zu finden. Denn in den vergangen Jahren war für mich klar, dass ich bei weiten nicht die Zeit und den Kopf dafür habe, mich neben meinen drei Sprösslingen, auch noch um den Wachstum vieler anderer kleiner Sprösslinge zu kümmern. Kommt Zeit, kommt Rat. Das wusste ich. Und so war mir mit diesem Frühling plötzlich klar: die Zeit ist gekommen. Nun wuppe ich das. Mit dem Vorhaben war zwar schon mal eine große Hürde erledigt, dennoch schwirrten mir da noch ne Menge Fragen in meinem Gärtnerhirn umher. Antworten mussten her. Vom Profi. Klar. Also fragte ich auf Instagram in die Runde, wer denn so einer sei. Empfohlen wurde mir unzählige Male Berlins Supergärtnerin Carolin Engwert. Carolin und ihr grüner Daumen schreiben den Blog Hauptstadtgarten und haben kürzlich sogar ein ziemlich tolles, hilfreiches Buch raus gebracht. Für uns nahm sich die Zweifach-Mama, die übrigens Architektur studierte, Zeit und beantworte meine Unklarheiten. Habt ihr danach noch Fragen an Caro, könnt ihr diese gerne unten im Kommentarfeld stellen.

apinchofstyle.com | Gartenprofi Carolin Engwert zum Thema Hochbeet-Bau apinchofstyle.com | Gartenprofi Carolin Engwert zum Thema Hochbeet-BauLiebe Caro, vielen Dank dass du dir Zeit nimmst. Ich lege einfach gleich los und stelle zuerst mal die für mich wichtigste Frage (denn mein Mann steht mit Holz und Werkzeug schon in den Startlöchern): Was sollen wir beim Bau des Hochbeets beachten und welches Material ist geeignet?

Ich persönlich schwöre auf Hochbeete aus Palettenrahmen, da man sie ohne Vorkenntnisse und mit wenig Werkzeug schnell und einfach zusammenstecken kann. Wenn Ihr Beete selbst bauen möchtet (was aufwändiger und vom Material her teurer ist, aber natürlich Spaß macht und bestimmt toll aussieht), nehmt auf jeden Fall ein hartes, wetterbeständiges Holz, z.B. Douglasie oder Lärche. Terrassendielen gehen beispielsweise ganz gut, da sie durch die schmale Form eine flexible Höhengestaltung des Hochbeetes ermöglichen und gleichzeitig genügend Länge mitbringen. Ich kleide meine Hochbeete nicht mit Folie aus (Viele verwenden sie, um das Holz von innen gegen Feuchtigkeit zu schützen), da diese erstens zusätzliche Kosten verursacht und man eine Wissenschaft daraus machen kann, ob Weichmacher oder andere schädliche Stoffe auf die Erde und damit auf das angebaute Gemüse übergehen.

Falls Ihr Euch für eine Folie entscheidet, nehmt nicht unbedingt die Noppenfolien, die eigentlich für Erdabdichtungen am Bau gedacht sind, da ich es hier für wahrscheinlich halte, dass die Emission von Schadstoffen kein wichtiger Faktor für die Produktion dieser Folien ist.

Alternativ könntet Ihr auch Siebdruckplatten verwenden – je nachdem, was Euch besser gefällt. Sie hätten den Vorteil, dass sie von Haus aus beschichtet sind. Von unten sollte das Hochbeet einen Schutz gegen Wühlmäuse bekommen. Legt dazu ein sehr feinmaschiges Gitter, idealerweise mit 0,5 cm Maschenweite, unten ins Beet und tackert es innen seitlich fest.

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Welche Größe ist sinnvoll?

Meine Hochbeete sind mit 120 x 80 cm relativ klein, aber mein Garten ist mit seinen 280 qm (inklusive Laube) insgesamt auch sehr überschaubar. Je nachdem, wie viel Platz Ihr habt, könnt Ihr Euch bei der Länge austoben, macht sie jedoch maximal 120 cm tief, damit Ihr auch die Pflanzen in der Mitte gut erreichen könnt.

Wo sollen wir das Hochbeet hinstellen?

Wenn Ihr bei der Bepflanzung mit Gemüse freie Auswahl haben möchtet, wählt einen vollsonnigen Standort. Hochbeete können je nach Bauweise optisch sehr dominieren. Ich würde deshalb empfehlen, die geplante Dimension im Garten vorab einmal abzustecken, z.B. mit Holzpflöcken, Schnur und einer Plane, damit Ihr Euch vorstellen könnt, wie viel Platz Euer geplantes Hochbeet später einnehmen wird. Von der Höhe würde ich Euch 60-80 cm empfehlen – je nachdem, ob Ihr eher flache oder höhere Pflanzen hineinsetzen möchtet. Man will ja Tomaten später nicht mit der Leiter ernten müssen, sich aber andererseits für Salat oder Möhren nicht zu stark bücken müssen.

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Gut, das Hochbeet hätten wir nun schon mal. Wie sollen wir es nun befüllen?

Füllt das Beet je zu einem Drittel mit Baum- oder Heckenschnitt, den Ihr auch erst mal nur ganz grob zerkleinert. Diese Schicht dient später als Drainage und Schutz vor Staunässe. Darauf kommt idealerweise ein Drittel halb verrotteter Kompost, Rasenschnitt oder fein gehäckseltes Schnittgut. Auch eine Fuhre Pferdemist eignet sich für diese mittlere Schicht. Ganz oben dann ein Drittel fertiger Kompost oder torffreie Bio-Erde. Idealerweise befüllt man das Hochbeet im Herbst, füllt statt der Erde eine dicke Schicht Herbstlaub ein und wartet mit der Erde als obere Deckschicht bis zum Frühling, da sich die Füllung im Laufe der ersten Monate setzt und meist deutlich absackt. Wenn Ihr das Hochbeet im Frühling für die bevorstehende Gartensaison baut, macht das aber auch nichts – Ihr könnt es dann im Herbst einfach nochmal auffüllen.

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Und nun zum spannendsten Teil: Wir möchten uns zwei Hochbeete bauen. Unser Ziel wäre es, damit in den Sommermonaten gut über die Runden zu kommen und vielleicht sogar noch ein wenig davon klein geschnippelt im Tiefkühler auf Vorrat zu haben. Welche Gemüsesorten kannst Du uns (Anfänger) empfehlen? Und wie würdest Du die Aufteilung bei zwei Hochbeeten angehen?

Da würde ich vorab gerne noch ganz viele Rückfragen (z.B. zu Euren Vorlieben) stellen. Zu diesem Thema könnte man einen eigenen, relativ ausführlichen Artikel oder sogar ein kleines Buch schreiben. Deshalb an dieser Stelle ein paar allgemeingültige Anregungen. Mein wichtigster Tipp, von dem ich mir gewünscht hätte, dass ihn mir jemand zu Beginn meines Gärtnerinnen-Abenteuers gegeben hätte: Ansprüche runter schrauben. Ihr werdet wahrscheinlich nicht im ersten Jahr zu Selbstversorgern werden. Das Gärtnern lehrt uns aber auf zauberhafte Weise die Demut vor der Natur, allen möglichen Wetterkapriolen und nicht zuletzt davor, wie lange eine Möhre braucht, um zu wachsen. Dennoch könnt Ihr natürlich alles Mögliche aussäen und werdet mit Sicherheit auch eine ganze Menge leckere, frische Sachen ernten. Bei mir auf dem Blog gibt es einen Artikel zu pflegeleichten Gemüsearten wie z.B. Salat, Buschbohnen und Zucchini, die auch Anfängern gelingen. Bepflanzt das Hochbeet in einer bunten Mischkultur und so, dass große Kulturen wie Kohl oder Zucchini kleinere möglichst nicht beschatten. Um einen konkreten Pflanzplan zu erstellen, müsste man allerdings wissen, wie groß Eure Beete nun genau werden und welche Gemüsesorten Ihr gerne esst. Macht Euch am besten eine Wunschliste – manchmal gibt es nämlich auch innerhalb der Familie ganz unterschiedliche Lieblingsgemüse. Falls Ihr die Planung selbst probieren möchtet: macht Euch mit den guten und schlechten Nachbarn der Mischkultur nicht zu sehr verrückt. Es reicht, wenn man nicht gerade „Feinde“ nebeneinander pflanzt.

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Thema Schnecken/Schädlinge, Pflege und Düngen: kannst du hierbei auch noch deine Erfahrungen mit uns teilen? Vielleicht hast du ein paar Tipps. 

Thema Schädlinge: Das kommt sehr auf die Pflanzen an – viele von ihnen haben nämlich ihre eigenen Schädlinge, die oft sogar nach den Wirtspflanzen benannt sind, z.B. die Raupen des Kohlweißlings oder die Möhrenfliege. Blattläusen und Schnecken schmecken allerdings viele verschiedene Pflanzen. Feinmaschige Netze (unter 2 mm Maschenweite) helfen gegen viele fliegende und krabbelnde Tierchen, wenn man sie gleich zu Beginn der Saison über die Beete spannt. Mein Tipp gegen Schnecken (die man allerdings nie so GANZ wegbekommt): da sie nachtaktiv sind, möglichst nur morgens gießen, dann ist bis zum Abend die Erde wieder gut abgetrocknet, und man bietet Ihnen zumindest keine feucht-rutschige „Autobahn“. Weiter mulche ich gerne mit Heu oder Schafwolle, auf denen sie auch nicht so gut vorankommen.

Thema Dünger: Pflanzen haben einen teilweise sehr unterschiedlichen Nährstoffbedarf. Man unterscheidet grob zwischen Stark-, Mittel- und Schwachzehrern (was sich auf die benötigte Menge an Nähstoffen bezieht). Darüber hinaus brauchen manche Pflanzen besonders große Mengen bestimmter Nähstoffe und sollten z.B. eher Kalium-, Phosphor- oder Stickstoff-betont gedüngt werden. Im Hochbeet ist das im ersten Jahr relativ entspannt, da es durch die neue Erde und das verrottende Material im inneren auf jeden Fall eher viele Nährstoffe bietet. Pflanzt daher idealerweise im ersten Jahr keine Schwachzehrer wie Spinat, da diese bei zu hohem Nährstoffangebot zu viel Nitrat einlagern können. Eine Faustregel für später: grüne Blätter, die gelb werden, können eine Zeichen für Nährstoffmangel sein – dann wäre es z.B. bei Kohl oder Tomaten höchste Zeit zu düngen. Das macht man am besten mit einem organischen Dünger (gibt’s flüssig, aber auch in Form von Pellets oder Pulver, man kann ihn aber auch aus Brennesseln selber machen). Künstliche mineralische Dünger lasst Ihr am besten einfach links liegen…

Als vertiefende Lektüre zum Gemüseanbau würde ich Euch tatsächlich gerne mein Buch empfehlen, in dem ich versucht habe, die Basics verständlich zu erklären. Auf dem Blog findet Ihr auch noch eine Tabelle zur Mischkultur und verschiedene Tipps zur stressfreien und wassersparenden Bewässerung.

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Carolin Engwert ist Bloggerin und Buchautorin aus Berlin.

Fotos: Carolin Engwert

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3 comments

  • Hallo Carolin, ich hätte da noch eine Frage…. wenn ich keine Folie verwende und auch keine Siebdruckplatte habe… kann ich das Holz dann einfach unbehandelt lassen? oder würde es zu schnell verrotten? Liebe Grüße von Hamburg nach Berlin

    • Das wüsste ich auch gern – ich mag diese Folie auch nicht, und frage mich, ob man es einfach wagen kann. Hat da jemand schon Erfahrungen gemacht? Danke, und liebe Grüße! Petra

    • Liebe Marie-Christin, liebe Petra,
      ja – ohne Folie verrottet das Holz schon schneller. Wie lange es dauert, hängt sehr vom Holz ab. Harthölzer wie Lärche oder Douglasie halten länger, als Bretter aus Tanne oder Fichte. Wenn man sich ein schickes, teures Hochbeet baut, kann es schon sein, dass man sich am Ende für eine Folie entscheidet, damit es viele Jahre schön bleibt.
      Meine eigenen Hochbeete sind aus recht einfachen, günstigen Pallettenrahmen zusammengesteckt und sind auch nun seit 5 Jahren noch ok. Wenn sie irgendwann „durch“ sind, werde ich sie ersetzten.
      Gibt also leider nicht die „eine“ Antwort, sondern ist ein individuelles Abwägen zwischen Preis/Aufwand/Meinung zu Kunststoffen.
      Ich hoffe, das hilft Euch weiter!
      Viele grüne Grüße,
      Caro

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